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Fantasy-Roman „Fantasy“ Teil 2

Rabe
Pergament

– 17. Fortsetzung –

Bardo war nicht so richtig zum Scherzen zumute. »Ich meinte eine andere Gefahr«, sagte er in ernstem Tonfall.

Nun verschwand auch aus Elinas rundem Gesicht das Lächeln, und sie wirkte plötzlich besorgt. »Du hast recht. Es ist nicht der richtige Augenblick, um zu scherzen. Dennoch musst du dich erstmal verstecken, und zwar hier bei mir. Du kennst doch hier sonst niemanden – oder doch?«

»Nein.»

»Siehst du. Also ab in meine Kammer. Ich komme gleich nach, wenn ich hier fertig bin.«

»Ich weiß aber nicht, wo deine Kammer ist.«

»Ich zeige sie dir. Komm!«

...

Als Elina ihre Arbeit beendet hatte und ihre Kammer aufsuchte, war Bardo in ihrem Bett längst eingeschlafen. Schade, dachte sie, obwohl es vorauszusehen gewesen war. Sie legte sich trotzdem neben ihn; es gab keinen Grund, deswegen auf dem Fußboden zu schlafen.

Mit schlimmen Kopfschmerzen und einem schlechten Geschmack im Mund wurde Bardo am nächsten Morgen wach. Er öffnete nicht sofort die Augen, sondern versuchte, sich an die letzten Ereignisse zu erinnern. Allmählich wurde ihm wieder klar, dass Krauta weg war, dass das Gepäck weg war, und dass es somit nicht nur körperliche Gründe gab, sich so elend zu fühlen, wie er sich fühlte. Wie sollte es jetzt nur weitergehen? Er hatte keine Ahnung. Er öffnete die Augen und kam sofort auf andere Gedanken, als er den üppigen bloßen Busen von Elina erblickte. Was machte diese Frau in seinem Bett? Nein, es war gar nicht sein Bett, es war ja ihr Bett. Plötzlich schämte er sich, dass er in seinem angetrunkenen Zustand nicht so viel Anstand gehabt hatte, sich auf dem Fußboden schlafen zu legen. Sie strahlte ihn an. Warum hatte sie denn so gute Laune? Er errötete.

»Wie fühlst du dich?« fragte sie lächelnd, aber es klang trotzdem besorgt.

»Nicht so toll«, gab er ehrlich zu, »ich glaube, ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich einfach dein Bett benutzt habe. Ich hätte auf dem Fußboden schlafen müssen.«

»Das ist doch Unsinn. Aber jetzt wird erstmal gefrühstückt. Warte hier!«

Sie stieg aus dem Bett, und Bardo sah, dass sie völlig unbekleidet war. Dann war sie entschwunden, und er schloss die Augen. Da erschien sie vor seinem geistigen Auge in all ihrer Molligkeit. Es war ein schöner Anblick, irgendwie behaglich, und die Kopfschmerzen waren plötzlich weg. Er reckte sich ein- bis zweimal und stand dann auf. Nach einer Weile kam Elina – inzwischen angezogen - mit einem großen Brett, auf dem sie dunkles Brot und Käse angerichtet hatte. Und zwei Becher mit dem gleichen dunklen Gebräu, das er schon bei Krauta kennengelernt hatte, heiß und wach machend. Und ein wenig bitter.

»Was wirst du nun tun?« fragte sie mit vollem Mund kauend.

»Ich weiß es nicht. Sind denn die Soldaten noch zurückgekommen? Haben sie Krauta gefunden? Hast du was gesehen oder gehört?«

»Nein. Ich bin ja auch irgendwann schlafen gegangen. Aber mach dir keine Sorgen, Krauta kann auf sich aufpassen. Wenn wir nur wüssten, wo sie steckt.«

Sie machte eine Pause. »Vielleicht solltest du versuchen, dich alleine zu Marinda durchzuschlagen. Proviant kannst du von mir bekommen, Waffen habe ich allerdings nicht. Du musst eben Konflikten aus dem Weg gehen. Am besten wird es sein, wenn du nachts wanderst und tagsüber schläfst. Ich werde dir soviel Verpflegung mitgeben, dass es auf jeden Fall bis zu deinem Ziel reichen wird. Vielleicht triffst du unterwegs ja auch wieder auf Krauta, irgendwo wird sie ja sein.«

Bardo war überwältigt von ihrer Hilfsbereitschaft. »Ich werde den Proviant natürlich bezahlen. Und die Übernachtung.«

»Kommt überhaupt nicht in Frage. Dich kennengelernt zu haben, ist für mich Bezahlung genug.«

»Aber du hast durch mich doch nur Scherereien. Und gefährlich ist es außerdem. Wer weiß, was sie mit dir machen, wenn sie dahinterkommen, dass du mir geholfen hast. Nicht, dass ich mich für wichtig halte, aber irgendeinen Grund werden sie ja haben, wenn sie so hartnäckig hinter mir her sind. Und hinter Krauta.«

»Sie werden aber nicht dahinterkommen.« Sie sah ihm direkt in die Augen. Erst jetzt bemerkte er, wie dunkelbraun ihre Augen waren, fast schwarz, und dennoch schien ein Leuchten von ihnen auszugehen.

»Wie kannst du dir da sicher sein?« fragte er, »es könnte dich doch jemand verpfeifen, zum Beispiel der alte Mann, der gestern in der Ecke saß und der jeden Tag kommt, wie du uns erzählt hast. Der ist mir nicht ganz geheuer.«

»Du hast recht. Er war es auch, der den Wachen Bescheid gesagt hat. Darum ist er so früh gegangen.«

»Woher wusste Krauta, dass die Soldaten unterwegs waren?«

Elina schmunzelte. »Von mir.«

»Und woher hast du das gewusst?«

»Das ist mein Geheimnis.« Sie lächelte wissend.

»Ich nehme an, dass du mir dieses Geheimnis nicht verraten wirst.«

»Stimmt.« Sie stand auf. »Ich hole uns noch was zu trinken.«

Sie verschwand und kam kurz darauf mit einer dunkelblauen Keramikkanne wieder. Nachdem sie beide Becher mit der bitteren Flüssigkeit gefüllt hatte, fragte Bardo, was das denn für ein Getränk sei.

»Ich habe es bei Krauta auch getrunken, aber vorher kannte ich es nicht. Man wird ja richtig munter davon.«

»Auch das ist ein Geheimnis, welches ich dir leider nicht verraten kann.«

»Ist es etwa auch ein Geheimnis, wie man zu Marinda hinfindet? Ich kenne den Weg nämlich nicht.«

»Natürlich ist das auch ein Geheimnis, aber ich werde es dir trotzdem verraten. Als Dank dafür, dass du mich ich so große Schwierigkeiten gebracht hast.«

– hier geht's weiter ... –

Kriegerin