Pfeil

Fantasy-Roman „Fantasy“ Teil 2

Hütte im Wald
Pergament

– 15. Fortsetzung –

»Und ob!« Krauta wirkte auf einmal irgendwie beschwingt. Sie beschleunigte ihre Schritte und eilte auf die Schenke zu. Bardo kam kaum hinterher. Als er die Tür erreichte und ins Innere des Schankraumes blicken konnte, sah er, wie sich zwei Frauen in den Armen lagen. Bei genauerem Hinsehen sah es allerdings so aus, als ob Krauta von der noch jungen, aber drallen Wirtin zerdrückt zu werden drohte. Er folgerte daraus, dass die beiden sich kannten. Er befreite sich von seinem Rucksack und setzte sich an einen der freien Tische. Viel Betrieb herrschte noch nicht. Außer Krauta, der Wirtin und Bardo saß nur noch ein älterer Mann an einem kleinen Tisch in der äußersten hinteren Ecke des Raumes und nippte an seinem Blauweinpokal. Für die neuen Gäste schien er sich nicht zu interessieren.

Als die beiden Frauen sich genug begrüßt hatten und Krauta Bardo und die Wirtin – sie hieß Elina – miteinander bekannt gemacht hatte, eilte diese mit wehenden langen schwarzen Haaren und den Worten »ihr seid sicher hungrig« in die Küche und machte sich dort zu schaffen. Sie kam aber noch einmal zurück und stellte einen Krug mit Schwarzbier und zwei Becher auf den Tisch. »Jetzt hätte ich euch doch fast verdursten lassen.« Sie strahlte Bardo mit ihrem runden Gesicht an und verschwand dann wieder.

»Ihr scheint euch ja zu mögen«, meinte Bardo anmerken zu müssen.

»Ja«, pflichtete Krauta ihm bei, »aber ich glaube, du gefällst ihr auch.«

»Aha.«

Er goss Krauta und sich Schwarzbier ein und trank den ersten Becher in einem Zug leer. Ja, er hatte durchaus Durst gehabt. Krauta hingegen nahm nur einen kleinen Schluck. Sie hatte wohl keinen so großen Durst. Als Bardo seinen zweiten Becher geleert hatte, war ihr erster noch halb voll.

Die rundliche Elina bereitete ihnen ein köstliches Mahl, bestehend aus kräftigem Brot, Schinken, Käse und Spiegeleiern mit Speck. Es mundete Bardo vorzüglich, vor allen Dingen auch in der Kombination mit dem herrlichen Schwarzbier. Elina leistete ihnen Gesellschaft und freute sich, dass es Bardo so gut schmeckte. Krauta aß zwar auch, aber längst nicht so viel und mit so großem Appetit wie Bardo. Und sie trank viel weniger Bier. Der alte Mann von dem kleinen Tisch in der Ecke hatte inzwischen das Gasthaus verlassen, was Bardo entgangen war, jedoch nicht Krauta.

»Ist der oft hier?«, fragte sie Elina.

»Fast jeden Tag«, antwortete diese, »er trinkt meistens einen kleinen Krug Blauwein, hin und wieder auch Bier. Manchmal isst er auch eine Kleinigkeit.«

»Kommt und geht er immer um die gleiche Zeit, oder ist das verschieden?«

»Er kommt in der Regel vormittags und geht am späten Abend. Warum willst du das wissen?«

»Es ist noch nicht später Abend.«

»Stimmt. Heute ist er früher gegangen. Aber ist das denn so wichtig?«

»Ich weiß nicht. Wahrscheinlich nicht.«

»Vielleicht esse ich ihm zu laut«, warf Bardo ein und lachte gackernd. Das Bier schien schon zu wirken.

»Wir sollten heute zeitig schlafen gehen«, meinte Krauta, »um so früher können wir morgen los. Wir haben noch eine lange und schwierige Strecke vor uns.

Ist die Kammer überhaupt frei?« wandte sie sich an Elina.

»Ja, das ist sie. Und sonst hätte ich sie frei gemacht«, behauptete sie.

Bardo schob genüsslich den Teller zurück. »Das war gut. So gut habe ich schon lange nicht gegessen«, lobte er die Köchin.

»Und getrunken«, fügte Krauta trocken hinzu.

»Lass ihn doch, wenn es ihm schmeckt«, beschwichtigte Elina.

»Ich lass ihn ja. Er ist ja groß genug.«

»Genau«, pflichtete Bardo ihr bei und füllte noch einmal seinen Becher.

Inzwischen waren weitere Gäste eingetroffen, Bauern und Handwerker, die ihr Tagwerk vollbracht hatten und nun den Feierabend genießen wollten.

»Ich muss mich jetzt um meine anderen Gäste kümmern. Es wird gleich dunkel werden; hilfst du mir, die Wandfackeln und Öllampen anzuzünden?« Dabei blinzelte sie ihr schelmisch zu.

»Gern.«

Krauta ging von einer Fackel zur anderen, bis sie alle brannten. Sie stellte sich jeweils so hin, dass man nicht mitbekam, dass sie das ohne Hilfsmittel machte. Sie ging auch nicht zu allen hin, aber sie brannten trotzdem plötzlich alle. Doch das fiel keinem auf, außer Elina, für die das ein Heidenspaß zu sein schien. Die Öllampen, von denen auf jedem Tisch eine stand, zündete sie lieber selber mit einem Kienspan an. Es brauchte ja niemand zu wissen, dass sie eine Zauberin beherbergte.

Bardos Geist war zwar schon ein bisschen benebelt, aber ihm war trotzdem nicht entgangen, dass Krauta es zu vermeiden schien, mit Elina über den Grund und das Ziel ihrer Reise zu sprechen. Seltsamerweise war diese auch gar nicht neugierig. Das war schon komisch, da sich die beiden doch offenbar nicht nur gut kannten, sondern auch mochten. Aber was kümmerte es ihn. Er hatte gut gegessen und getrunken, und nun war er müde und würde bald glücklich und zufrieden in einem warmen Bett schlafen, zusammen mit Krauta. Vielleicht könnte man ja vielleicht – aber diesen Gedanken verwarf er wieder, denn Krauta schien ein wenig böse mit ihm zu sein, weil er so viel Bier getrunken hatte. Aber es schmeckte doch so gut, und wer wusste, wie lange es dauern würde, bis er wieder so ein gutes Bier zu trinken bekam.

Krauta setzte sich wieder an den Tisch. Sie rückte ihren Stuhl näher an Bardo heran und formte in ihr Gesicht Gelangweiltheit. Dann sprach sie ganz leise und fast ohne die Lippen zu bewegen: »Wir müssen hier verschwinden. Keine Fragen stellen. Wir gehen gleich in unsere Kammer und klettern sofort aus dem Fenster.«

Das war für Bardo wie ein Schlag in die Magengrube, wo er sich doch so sehr auf ein warmes Bett gefreut hatte. Na ja, vielleicht wäre es ja auch nur ein karges Strohlager gewesen.

»Hat Elina richtige Betten oder nur Strohlager?« wollte er wissen.

»Als ich das letzte Mal hier war, hatte sie noch Strohlager. Aber das ist schon viele Jahre her.«

»Aber da war doch sicherlich Elina noch nicht die Wirtin hier?«

»Doch. Warum denn nicht? Das ist jetzt aber nicht wichtig. Hast du mitbekommen, was ich dir gesagt habe? Wir tun gleich so, als würden wir uns in unsere Kammer begeben, um schlafen zu gehen, und dann verschwinden wir.«

– hier geht's weiter ... –

Kriegerin